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Antwort von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf eine Nachfrage vom 21.05.2021 : Öffentlicher AUFRUF: An alle Fraktionen, Mitglieder des Deutschen Bundestages Energiewende Grüner Wasserstoff für jeden, von jedem

Wirklich Grüner Wasserstoff aus Biomasse = Druckaufgeladene kaskadierte Wirbelschichtvergasung – ein innovativer Prozess

Wirklich Grüner Wasserstoff aus Biomasse = Druckaufgeladene kaskadierte Wirbelschichtvergasung – ein innovativer Prozess

​​​​Von: "Grünes Dialogteam" <dialog@gruene.de>
An: Klaus Hesse
Gesendet: Montag, 7. Juni 2021 14:30:25
Betreff: Re: Fwd: Erhalte ich hierauf noch eine Antwort?

​​​​​Sehr geehrter Herr Hesse,

vielen Dank für Ihre Mail.

Sie wissen sicherlich, dass wir Grüne uns seit Jahrzehnten für den 
Ausstieg aus fossilen Energien einsetzen. Die Energiewende ist das 
größte Projekt zur ökologischen Umgestaltung der Industriegesellschaft. 
Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Energieeinsparung sind die 
Schlüssel dafür. Im Jahr 2020 erreichten die erneuerbaren Energien in 
Deutschland mit einen Anteil an der Nettostromerzeugung von 50,5% einen 
neuen Rekordwert und lagen damit erneut klar vor der Kohlekraft (24,1%) 
und der Kernenergie (12,5%).

Zum Vergleich: Im Jahr 2003, ganz zu Beginn der Energiewende, lag der 
Anteil der Erneuerbaren an der Nettostromerzeugung bei lediglich 8,6%. 
Das ist ein Erfolg des von uns während der rot-grünen Regierungszeit 
(1998-2005) initiierten Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Zudem wurde 
2020 in Deutschland bei der Stromerzeugung ein Exportüberschuss von ca. 
17.400 Gigawattstunden erzielt. Der Hauptteil der deutschen 
Strom-Exporte floss dabei in europäische Nachbarländer wie Österreich.

Jedes neue Auto, das nicht fossil betrieben wird, sondern emissionsfrei 
fährt, hilft beim Klimaschutz. Deswegen haben wir ganz technologieoffen 
beschlossen, dass ab 2030 nur noch "abgasfreie Autos" neu zugelassen 
werden dürfen. Auch in "Power to gas" – der dezentralen Gewinnung von 
Wasserstoff oder Methan aus regenerativem Strom – sehen wir für Autos 
mit sparsamem Antrieb eine ergänzende Option. Und auch bei "Power to 
gas" sollte sich die Höhe der Besteuerung an den Klimaauswirkungen 
orientieren.

Trotzdem erkennen wir, dass die Autohersteller vor allem 
batterieelektrische Modelle auf den Markt bringen und weniger auf 
Wasserstoffantriebe und andere alternative Antriebe setzen, da die 
E-Mobilität deutlich ausgereifter ist. Außerdem gilt: Genauso wie die 
Fahrzeughersteller die parallele Entwicklung mehrerer 
Antriebstechnologien aus Kostengründen meiden, ist auch der staatlich 
bezuschusste Aufbau verschiedener Tank- und Ladeinfrastrukturen 
ineffizient, teuer und logistisch kaum zu stemmen. An der Infrastruktur 
hängt aber die Frage, ob es überhaupt eine attraktive Alternative zum 
Verbrennungsmotor gibt. Deshalb braucht es für den PKW Bereich heute 
einen klaren Fokus auf die Elektromobilität. Wer dauerhaft auf 
Technologieoffenheit setzt, verhindert, dass es überhaupt eine 
Alternative gibt.

Dieser Fokus auf E-Autos ist auch sinnvoll, weil der Strom hier direkt 
bzw. ohne Umwandlungsverluste und somit besonders effizient genutzt 
wird. Wenn der Strom jedoch in Wasserstoff umgewandelt wird, geht viel 
Energie verloren. Im Vergleich zur E-Mobilität braucht man für 
Wasserstoffantriebe zwei- bis dreimal so viel Stromeinsatz.

Noch schlechter ist die Energiebilanz, wenn der Wasserstoff zu E-Fuels 
weiterverarbeitet wird. Für das Fahren mit E-Fuels braucht man rund 
fünfmal so viel Strom wie bei der direkten Stromnutzung in E-Autos. Der 
Thinktank Agora Verkehrswende weist darauf hin, dass der Strombedarf 
allein des Verkehrs in Deutschland im Jahr 2050 bei bis zu 914 TWh 
liegen könnte, wenn der Verkehrssektor vorrangig mit strombasierten 
Kraftstoffen dekarbonisiert würde, und damit größer wäre als die gesamte 
Bruttostromerzeugung in Deutschland im Jahr 2016. Neben dem 
Energieverlust sind auch die Kosten problematisch, denn diese betragen 
für einen Liter E-Fuel derzeit bis zu 4,50 Euro. Außerdem wird es bis 
zum Jahr 2030 keine signifikante Produktion von E-Fuels geben, sodass 
sie sich nicht als verlässliches Klimaschutzinstrument eignen. Wer sich 
gegen die E-Mobilität und für E-Fuels im Autoverkehr einsetzt, ist also 
vor allem an der Rettung des Verbrennungsmotors interessiert und weniger 
an bezahlbarer und klimafreundlicher Mobilität.

Abseits des Pkw-Bereichs ist der technologische Pfad noch offen. 
Wasserstoff, Erdgas und v.a. die wertvollen E-Fuels müssen wir also für 
die Bereiche vorhalten, wo es noch keine massentauglichen elektrischen 
Antriebe gibt, aber die Emissionen trotzdem gesenkt werden müssen. Das 
betrifft den Schiffs- und Flugverkehr sowie teilweise den schweren 
Straßengüterverkehr.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.

Herzliche Grüße

Anna Tretter
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BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Bundesgeschäftsstelle
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Platz vor dem Neuen Tor 1
10115 Berlin

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